Reitersturz - Erste Hilfe Tipps

17.4.2014 / Permalink

Was kann man als Erstversorgung eines gestürzten Reiters tun?

Passiert ein Sturz, ist es schwierig zu unterscheiden, welche Körperteile bei einem Sturz verletzt wurden.
Auch die Art der Verletzung – eine Quetschung, eine Verrenkung, eine Verstauchung, ein Knochenbruch – ist zumeist nicht gleich wahrnehmbar. Ausgenommen hiervon sind natürlich offene Brüche.
Bei Kopfverletzungen ist meist nicht abschätzbar, in welchem Maße der Betroffene Verletzungen davon trägt. Beulen und ggf. Kratzer am Kopf müssen nicht die einzige Schädigung sein.

Symptome: 
*Schmerzen
*unnatürliche Lage und Beweglichkeit der Gliedmaßen
*Hämatome (Blutergüsse, blauer Fleck, Veilchen)
*Verkürzung der Gliedmaßen
*Funktionsverlust bzw. Bewegungseinschränkung
*Schonhaltung
*Unvermögen sich aufzurichten
*offene WundenSchock (Teilnahmslosigkeit, beschleunigter Puls, blasse Haut)
*bei Kopfverletzungen: Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen
*bei Verletzungen der Wirbelsäule / des Beckens: Schmerzen im
  Rückenbereich bzw. Beckenbereich, Kribbeln oder Gefühllosigkeit in
  den Armen und Beinen, Abgang von Urin möglich

Erste Hilfe:

*Ruhigstellen des verletzten Körperteils
*Umpolstern der verletzten Gliedmaßen (z.B. mit Decken, Jacken)
*Prellungen und Verrenkungen der Gelenke kühlen
*bei offenen Knochenbrüchen Wunden mit sterilem Material bedecken
*bei Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung die Lage des Verletzten
  möglichst nicht verändern
*ggf. Schock bekämpfen;

  bei Verletzungen des Beckens:
  - den Betroffenen nach den Schmerzen
    befragen und ggf. Wünschen des Betroffenen entsprechen, die
    ihm Schmerzlinderung verschaffen,
  - ev. Entspannen der Bauchdecke durch Unterlegen einer Knierolle
  - bei Bewusstlosigkeit und vorhandener Atmung
    stabile Seitenlagestets Notruf !!! veranlassen

  bei Verletzungen der Wirbelsäule:
  - Notruf  alarmieren
  - Lage des Betroffenen nicht verändern, auf Rettungspersonal warten
  - sofern zusätzliche Gefahr droht (Strom, Wasser etc.):
    Betroffenen in vorgefundener Lage vorsichtig vom
    Gefahrenort wegziehen
  - Lagerung, ohne Änderung der Körperhaltung
  - sofern bewusstlos, aber aktive Atmung stabile Seitenlage
  - wiederholte Kontrolle der Lebenszeichen bis Eintreffen der Rettungskräfte

  bei Kopfverletzungen:
  - Notruf  alarmieren
  - offene Wunden keimfrei abdecken
  - bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlage, Atem- und Kreislaufzeichen beachten

  bei Bewusstsein:
  - Lagerung mit leicht erhöhtem Oberkörper und Kopf

Was darf ich nicht tun?

nicht versuchen, Gliedmaßen selbst einzurenken
nicht versuchen, Gliedmaßen zu bewegen

Schreck oder Schock?

Vergessen Sie bei Reitunfällen im Gelände die Regel, nach der man nach dem Sturz sofort wieder in den Sattel klettern soll. Das mag in einer weichen Reitbahn zutreffen. Bei einem Sturz draußen ist diese Regel im schlimmsten Fall tödlich, falls der Verletzte unter Schock steht. „Wer unter Schock aufs Pferd steigt, riskiert einen Kreislaufzusammenbruch mit Ohnmacht“, warnt Alexander Berghof von der Johanniter-Reiterstaffel Untertaunus. Reden Sie mit dem Gestürzten. Hindern Sie ihn am Aufstehen. Lassen Sie ihn erzählen, wie er gestürzt ist und wie er sich fühlt.

Sind Sie selber gestürzt:
Seien Sie ehrlich. Markieren Sie nicht den harten Krieger, der die Zähne zusammenbeißt. Bei Reitunfällen sind häufig innere Organe verletzt (Milzriß);
je mehr Sie Ihrem Körper jetzt zumuten, desto gefährlicher wird es.
Wirkt der Gestürzte nach einigen Minuten ruhig und ausgeglichen und bewegt sich ohne Schmerzen oder Übelkeit, darf er weiterreiten.

Folgende Zeichen deuten auf extremen Schock:
*Der Verletzte spürt keine Schmerzen (bis zu zehn Minuten).
  Er ist entweder sehr ruhig bis teilnahmslos oder sehr aufgeregt.
*Seine Pupillen sind ungewöhnlich geweitet; er wirkt „high“.
*Der Puls wird schneller und schwächer.
*Weitere Symptome: kalte, blasse Haut, Schüttelfrost.
Wer unter starkem Schock steht, muß mit leicht erhöhten Beinen liegen und warmgehalten werden. Decken Sie ihn mit Jacken, Pullis, Satteldecke oder Pad zu; nutzen Sie Jacken auch als Unterlage.

Bei Schmerzen:

Stop. Hat der Verletzte Schmerzen, soll er sitzen oder wie es ihm bequem ist. Er darf auf keinen Fall neben seinem Pferd weiterlaufen.
Rufen Sie bei ringsten Verdacht auf eine ernsthafte Verletzung die Rettungsstelle.

Der Gestürzte ist bewusstlos:

Reden Sie trotzdem mit ihm. Rütteln Sie ihn vors kneifen Sie ihn in die Wange. Wenn er nicht reagiert prüfen Sie den Puls innen am Handgelenk, wo Schnalle der Armbanduhr liegt, und die Atmung. Beobachten oder fühlen Sie, ob sich Brust und Bauch heben und senken. Horchen Sie an der Nase. Wenn Sie Puls und Atmung spüren, bringen Sie den Bewußtlosen in die stabile Seitenlage. Das verhindert daß er an seiner Zunge erstickt.


Kurzanleitung für die stabile Seitenlage:

(lernt man im Erste-Hilfe-Kurs, den jeder Reiter machen sollte):
Drehen Sie den Verletzten vorsichtig auf den Rücken
Schieben Sie seinen zugewandten Arm so weit wie möglich unter sei Rücken. Winkeln Sie sein gleichseitiges Bein so an, daß die Ferse fast ans Gesäß stößt. Greifen Schulter und Hüfte, rollen Sie den Verletzten zu sich daß er auf dem angewinkelten Bein liegt. Ziehen den untenliegenden Arm so zurecht, daß er abgewinkelt ist und der Verletzte nicht zurückrollen kann.
Biegen Sie seinen Kopf behutsam zurück (überstrecken);
der Mund muß geöffnet sein, damit Speichel, Blut oder Erbrochenes herausfließen. Nehmen Sie die Hand des oberen Arms und schieben Sie sie zum stützendes Kopfs unter die Wange.
Kontrollieren Sie die Atmung, Puls und Körpertemperatur.


Der Bewußtlose atmet nicht:

Herz-Lungen-Belebung: Legen Sie den Verletzten auf den Rücken auf harten Boden, öffnen Sie seine Jacke, überstrecken Sie den Kopf nach hinten und entfernen Sie Erbrochenes oder Dreck aus dem Mund. Dann zweimal Atemspende in die Nase des Verletzten: Mit einer Hand an die Stirn fassen, mit der anderen das Kinn packen, den Mund schließen und den Kopf nach hinten überstrecken, damit die Luftröhre frei ist. Sanft und kontinuierlich Luft in die Nase blasen. Hebt sich der Brustkorb? Wenn nicht, stärker blasen. Wenn Sie keinen Puls fühlen, braucht der Verletzte eine Herzdruckmassage.
Der richtige Druckpunkt liegt in der Brustmitte, zwei Fingerbreit oberhalb des Punkts, an dem sich die beiden unteren Rippenbögen am Brust- bein treffen. Setzen Sie den Handballen auf, drücken kräftig und lassen wieder locker. Etwa 15mal hintereinander drücken, dann zweimal Beatmen.

Der Verletzte blutet stark:

Auf die Wunde eine möglichst sterile Auflage aus festem Stoff legen, die ein- oder zweimal festgewickelt wird. Darüber eine saubere, nichtsaugende Auflage (beispielsweise eine Packung Taschentücher), die sehr fest mit der Binde umwickelt wird. Der Verletzte sollte möglichst ruhig liegen und warm eingedeckt werden. Vorsicht: niemals Salben oder Desinfektionsmittel in die Wunde streichen. Sie kann dann nicht mehr genäht werden.

(Quellen: Uniklinikum Leipzig; Cavallo.de)