Richtig Reiten?

14.6.2017 / 0 Kommentare / Permalink

Über den Rücken - richtig reiten

 

„Der Rücken vom Pferd muss hoch“, diesen Satz kennt jeder Reiter.

Welche Vorraussetzungen müssen erfüllt werden damit der Rücken sich wölbt und das Pferd gesund trainiert wird?

Zunächst einmal muss das Pferd gesundheitlich in Ordnung sein.

Wie wir ja mittlerweile wissen ist ein Pferd eigentlich kein Gewichtsträger, das bedeutet es ist die Aufgabe von uns Reitern dafür zu sorgen dass das ein Pferd gute, richtige Muskulatur aufbaut um uns gut tragen zu können ohne dabei Schaden zu nehmen.

Neben der Balance und der Geraderichtung soll das Pferd schwingen, im Takt laufen, locker und mit positiver Spannung über den Rücken gehen.

Leicht gesagt, nicht wahr?  

Ganz kurz zur Anatomie: der lange Rückenmuskel verläuft links und rechts neben der Wirbelsäule und ist direkt mit den Hals-, Schulter,- und Hinterhandmuskeln verbunden.
Sprich: alle diese Muskelgruppen muss ich als Reiter mit dem Pferd gut trainieren, den die spielen zusammen.
Wie bei uns Menschen muss ich also immer „Spieler“ und Gegenspieler“ trainieren um ein Gleichgewicht herzustellen. 

Das bedeutet beim Reiten:
Ein korrektes Training aller Muskelgruppen, damit der Schwung über die Hinterhand durch den Pferdekörper fließen kann und gesundes reiten überhaupt möglich ist, ist essentiell.

Ohne ein gutes Reittraining ist das erarbeiten von Lektionen nicht möglich.
Die Ausbildungsskala ist  hier wieder von großer Bedeutung.

Wer einmal erlebt hat wie toll es ist auf einem Pferd zu sitzen das wirklich reel über den Rücken läuft und das Gefühl kennt wen man meint zu schweben weil der Schwung durch den ganzen Körper fließt, in einer Leichtigkeit die unbeschreiblich ist,  der möchte das mit jedem Pferd erreichen.

 

 

Welche Übungen helfen beim „über den Rücken reiten“?

 

Zunächst ist zu sagen dass ein guter Reitlehrer immer wieder helfen muss.
Ich reite schon so viele Jahre, dennoch brauche ich regelmäßig die Kontrolle eines Außenstehenden bezüglich meines Sitzes und der Reiterhilfen.

 

  • Takt und Tempo sind immer wichtig beim Reiten. Viele übereilen ihre Pferde, andere kriechen im Schneckentempo.
    Vorwärtsreiten ist nicht gleichzusetzen mit völlig übereilt.
    Kontrolle ob ich zu schnell und nicht mehr im Takt bin: das Pferd entzieht sich den Reiterhilfen indem es vorwärts rennt und den Rücken wegdrückt.
    Das bedeutet die Bauchmuskeln kommen nicht hoch, die Hinterhand geht hinten raus und meist hat das Pferd als Krönung den Kopf unten und latscht auf der Vorhand um sich nicht anstrengen zu müssen.
    Im Takt reiten ist ein im Rhythmus reiten, auch mit Tempounterschieden – der Takt ist also nicht immer gleich.
    Wichtig ist dass der Reiter den Takt bestimmt und das Pferd dabei seinen Bauch hebt, über den Rücken läuft und somit die HH drunter kommt.
    Tempounterschiede sind eine tolle Übung, auch in der Lösungsphase beim Leichttraben.
    Versucht einfach mal euer Becken ganz langsam zu heben oder richtig kräftig nach vorne zu heben beim „aufstehen“.
    Ihr könnt nur über den Sitz euer Tempo steuern, eine tolle Erkenntnis und vereinfacht einiges beim Reiten wenn man das mal im Gefühl hat.
     
  • Nie zu lange eine Übung bzw die Reitstunde Pausen auch während der Trainingseinheit sind sehr wichtig.
    Immer wieder zwischendurch die Pferde dehnen lassen, Zügel aus der Hand kauen, ein paar Schritt Runden, darauf achten die Pferde nicht zu überfordern und die Muskeln nicht zu übermüden.
     
  • Richtig Schritt reiten
    Ich reite immer mindestens 20 Minuten Schritt zu Beginn.
    Meist führe ich 5 bis 10 Minuten bevor ich mich über eine Aufstiegshilfe (auch wieder rückenschonend für das Pferd ) auf das Pferd begebe.
    Dann geht die Schrittarbeit los: Schenkelweichen, Schulterherein, Schultervor, Kruppeherein, Haltparaden, Tempounterschiede im Schritt, Hinterhandwendung, Kurzkehrt,... Es gibt unzählige Übungen die man im Schritt arbeiten kann um die Muskulatur zu fördern.
    Bitte nicht täglich die Gleichen Übungen reiten. 
     
  • Bergauf/Bergab
    Auch eine Aufwärmrunde im bergigen Gelände kann die Pferde toll lösen und auch hier kann man Seitengänge arbeiten.
    Man muss nicht nur am langen Zügel draußen bummeln gehen. Rauf und runter reiten wenn es das Gelände und der Boden zulässt ist wirklich ein tolles Training für die Pferde.
     
  • Zeit lassen 
    Junge Pferde dem Alter entsprechend mit Geduld ausbilden. Pferde die falsch bemuskelt sind brauchen später länger um wieder alles ins Gleichgewicht zu bringen. Bei Pferden die Rückenprobleme etc haben ist meist die Gesundheit beeinträchtigt und es sollten zur täglichen Arbeit auch Therapeuten hinzugezogen werden.
     
  • Bodenarbeit. Ist ein Pferd sehr schwach bei der Muskulatur empfehle ich zunächst vom Boden aus das Pferd schonend antrainieren.
    Dualaktivierung beim Longieren, Stangentreten, spazieren gehen, bergauf-bergab, später Freispringen oder Handarbeit mit gutem Trainer.
    Auch Doppellonge richtig angewendet kann hier helfen. Ich würde aber eben zuerst ohne Reitergewicht Muskulatur aufbauen.
     
  • Lieber zweimal bewegen
    Viele Reiter übertreiben ihr Training zeitlich maßlos.
    Besser: Zweimal raus, sofern man die Möglichkeit hat, und dafür nicht so lang.
    Erstens kann sich ein Pferd nicht lange am Stück konzentrieren und Zweitens ist ein Training das zu lange dauert schädlich für die Pferdemuskeln.
    20 Minuten Schritt, 15 bis 25 Minuten Arbeitsphase (auch mit Schrittpausen oder dehnen lassen) und 10 Minuten  im Schritt abreiten oder führen - cool down.
     
  • Nachgeben
    Verspannte Pferdehälse durch zu kurze Zügel oder eine harte Reiterhand die nicht gewillt ist nachzugeben (der Kopf muss ja schließlich runter kopfschüttel) führen auch wieder zu verspannten Rücken und keinerlei Tätigkeit der Hinterhand.
    Ein gewünschtes aufwölben und fließen der Bewegungen von hinten nach vorne ist so nicht möglich.
    Die positive Grundspannung hat damit nichts zu tun, denn die ist erwünscht.
    Positive Grundspannung bedeutet salopp erklärt ein aufmerksames Pferd, das an den Hilfen steht und sofort reagiert.
     
  • Reitersitz
    Was fällt uns auf nachdem wir die obigen Punkte gelesen haben?
    Richtig: der Reiter bzw. sein Sitz halten das Pferd davon ab gesund zu laufen.
    Bedeutet: Sitztraining, immer und immer wieder unser ganzes Reiterleben lang. Auch das blockieren in unserem Becken oder der Hüfte, blockiert das Pferd.
    Eine harte Hand verhindert unter anderem das durchschwingen, falsches Atmen oder Stress blockieren ebenfalls den Sitz und somit das Pferd...
    Vielleicht wieder einmal eine Sitzlonge buchen?
     
  • Individuell reiten 
    Uns Reitern muss klar sein: Jedes Pferd ist anders, manche Pferde können auch rein anatomisch gewisse Übungen nicht ausführen.
    Es gibt, zugegeben wenige, aber es gibt gute Trainer die individuell sehen wo es hackt und helfen können.
     
  • Passendes Reitequipment
    Passt der Sattel nicht oder ist das Gebiss nicht geeignet oder scharf, dann hat das Pferd Schmerzen während dem Reiten und ein gesundes Reiten ist unmöglich. Auch Hufe und Zähne müssen regelmäßig kontrolliert werden und fachgerecht bearbeitet.

    Einfache Regel: immer das Ganze sehen, wie Puzzleteilchen die zusammengefügt werden.

 

Dafür braucht der Reiter Zeit und Geduld und muss bereit sein, sein eigenes Handeln zu überdenken.
Gesundes Reiten sollte das Ziel sein. Vereinfacht im Reiterjargon gesagt heißt das: „Vorne hoch, hinten drunter“.

Alles Liebe, Daniela Geiger.

 

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